Wer auf sein Geld wartet, darf sich das bezahlen lassen: Im Geschäftsverkehr stehen Gläubigern Verzugszinsen von 9 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu, gegenüber Verbrauchern 5 Punkte, dazu im B2B eine Pauschale von 40 Euro je verspäteter Zahlung (§ 288 BGB). Den Basiszins setzt die Bundesbank halbjährlich zum 1. Januar und 1. Juli fest.
Die Mechanik lohnt einen genauen Blick, weil sie die Zinswende automatisch weitergibt. Nach Jahren im Negativen, von 2013 bis Mitte 2023 lag der Basiszins durchgehend unter null, sprang er mit den EZB-Erhöhungen auf 3,62 Prozent zum Jahresbeginn 2024, den höchsten Stand seit 2008, und folgt seither dem allmählich sinkenden Leitzinsniveau. Für die Praxis heißt das: Im B2B-Verzug sind derzeit zweistellige Zinssätze zulässig, gut zwölf Prozent waren es in der Spitze.
Warum das mehr als eine Formalie ist
Die Rechnung ist einfach: Eine Forderung über 25.000 Euro, die 90 Tage überfällig ist, bringt bei rund 12 Prozent Verzugszins etwa 740 Euro, zuzüglich der 40-Euro-Pauschale und ersatzfähiger Mahnkosten. Das ist kein Strafgeld, sondern der Ausgleich dafür, dass der Lieferant seinen Kunden faktisch kreditiert, oft teurer als dessen Hausbank: Kontokorrentlinien kleiner Unternehmen kosten je nach Bonität derzeit meist zwischen 9 und 13 Prozent.
Trotzdem verzichtet ein Großteil der kleinen Unternehmen stillschweigend auf diese Ansprüche, aus Sorge um die Kundenbeziehung. Das darf man so entscheiden, als bewusste Preispolitik, nicht als Versäumnis. Wer die Zinsen konsequent ausweist, verändert erfahrungsgemäß vor allem eines: die Position der eigenen Rechnung im Zahlungsstapel des Kunden.
Zwei Handgriffe genügen. Erstens den aktuellen Basiszins zweimal jährlich prüfen, die Bundesbank veröffentlicht ihn jeweils zum Stichtag. Zweitens Zahlungsziel, Verzugsfolgen und die 40-Euro-Pauschale ausdrücklich in Auftragsbestätigung und Rechnung aufnehmen. Der Verzug tritt zwar auch ohne Mahnung 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ein; wer seine Bedingungen aber sichtbar macht, verhandelt später nicht über Selbstverständlichkeiten.

